18.02.2009

Cora ein Hund aus Lanzarote

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Wir wollten einen neuen Hund und hatten von einer Hilfsorganisation Podenco-Hilfe Lanzarote e. V. gehört, die versucht Hunde vor dem bevorstehenden Tod zu retten. Eine Verbindung kam schnell zustande. Wir schauten uns Fotos von Hunden an, alle auf ihre Art lieb, für das erste gerettet in dieser aus allen Nähten platzenden Arche Noah.

Unsere Wahl fiel auf Cora, eine schwarze Cockerhündin.

Spät nach Mitternacht kam der Transport, Zielort Langenhagen Hannover. Ein kleiner hüstelnder Hund aus dem sonnigen Lanzarote, nicht wissend:“was geschieht da mit mir?“ Dann sind da die beiden unbekannten Menschen, die sich voller Liebe und Wehmut über sie beugen, streichelten, in den Arm nahmen.

„Wo bin ich hier?“ denkt Cora. Dieses Land, keine Insel, kein Meer, die Sonne um diese Jahreszeit kalt.

Es kommen Tage der Eingewöhnung, des sich beschnupperns, das neue Heim annehmen. Konnte Cora diese Menschen lieben, ihnen vertrauen? Insgeheim suchte sie wohl nach denen, die sie nicht so gemocht haben. Nach einer groß gewachsenen Frau mit Reitstiefeln, wie hypnotisiert erstarrt sie, wenn ihr dieser Typ begegnet. Auch Kinder waren evtl. da, wo sie gelebt hat, die sie streichelten.

Was hab ich getan, dass ich abgeschoben und verstoßen wurde?

Cora wusste es nicht, erinnert sich an marmorne Steintreppen, die zu einem Geschäft führten, wuselt die Treppe hinauf, kratzt an der weiß lackierten Tür. Aber niemand öffnet, ihre Freude bricht zusammen, bedrückt trottet sie wieder hinunter. Der neue Mensch kauert sich zu ihr, streichelt sie sanft, ist traurig mit ihr – sagt nicht, was er denkt. Man wollte dich nicht, den Grund werden wir leider nie erfahren. Und Cora sucht weiter, nach den hohen Stiefeln, den Kindern, der Treppe die mal da war. Aber es gibt neue Treppen, andere. Wege, die zu einem Garten führen, in dem man herum tollen kann. Es gibt geregelte Mahlzeiten, die sie gemütlich verzehrt, nicht hinunter schlingt, aus Angst, das Artgenossen ihr das Futter streitig machen könnten. Und dann sind da die Wälder, wie es sie auf Lanzarote nicht gibt. Hunde Auslaufgebiete, wo man nach Herzenslust durchs Laub stöbern kann. Das sind die angenehmen Seiten, wenn diese Stadt auch sehr laut und hektisch ist. Bei Sirenenlauten schrickt sie zusammen und wehrt sich bellend gegen den Lärm. Aber dann kommen die wohligen Augenblicke. Die Fürsorge wenn sie gegen den Regen, den eisigen Wind mit einer Joppe geschützt wird.

Der Zutritt in Bäckereien, in Restaurants war ihr neu, dass man ihr Wasser zum trinken hinstellt, manchmal auch eine Decke für sie parat hat, eine lieb gewonnene Erfahrung. Das Unbekannte hat sich in den letzten Wochen gewandelt. Manchmal hebt sie ihren Blick, lauscht, wenn spanische Musik aus dem Radio klingt oder sie schaut aufmerksam, mit schief geneigtem Kopf, wenn die Sprache gesprochen wird, die sie kennt und nun langsam vergisst.

Cora lebt sich ein – ist in ihrer Zuwendung nach Liebe fordernder geworden. Und sie wird ihr gezeigt, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Auch in diesem Land gibt es Frühling und Sommer, aber das weiss sie noch nicht. Cora stupst mich mit ihrer weichen Schnute an, als ich das schreibe – denke dabei an unsere anderen Hunde – die alle lieb in ihrer eigenständigen Art waren.

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Und auch Cora, die kleine Spanierin, mit ihrem südländischen Charme wird es schaffen, unsere Herzen im Sturm zu erobern.